swild.ch & NACHTaktiv
Eine Flugroute von Mopsfledermäusen (Barbastella barbastellus) führt über eine neuartige Faunabrücke mit Wirtschaftswegüberführung (Heckenbrücke). Akkumuliertes Wärmebild (25. Mai 2016, VARIOcamHD).
Fledermäuse lassen sich aufgrund ihrer versteckten und nachtaktiven Lebensweise nicht einfach beobachten. Dies erschwerte lange die gezielte Erfassung der Tiere etwa für Konfliktanalysen, Planungen oder Erfolgskontrollen von Schutzmassnahmen. In den letzten Jahrzehnten wurden neue, effektive Methoden wie die Thermografie entwickelt. In einem neuen Artikel in der deutschen Zeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung berichten wir zusammen mit dem Team von NACHTaktiv aus Thüringen von den Erfahrungen beim Einsatz von Wärmebildgeräten in der Fledermausforschung.
Flugverhalten anhand Wärmebildern erkennen
Die Identifikation von Flugbahnen mit Wärmebildgeräten ermöglicht nun neuartige Erkenntnisse. Mit Ergebnissen aus verschiedenen Einsatzgebieten zeigen wir, dass durch Überlagerung von thermografisch erfassten Flugwegen das Flugverhalten von Fledermäusen dokumentiert und „gebündelte“ Flugrouten sichtbar werden können. In Kombination mit akustischen Aufnahmen ist zudem eine artspezifische Zuordnung möglich. Dadurch wurde deutlich, dass Mopsfledermäuse eine mit Hecken gesäumte Brücke auf einer Höhe von rund drei Metern überfliegen, die Kleine Hufeisennasen hingegen auf einem Meter Höhe fliegen. Solche Erkenntnisse zur Verhaltensökologie unterstützen die Planungspraxis, etwa bei Konfliktanalysen, bei der Identifikation von Quartieren oder bei Erfolgskontrollen.
Evaluation Querungshilfen
Auch die Wirksamkeit neu geschaffener Querungshilfen für Fledermäuse an Verkehrsstrassen kann damit untersucht werden. Die Thermografie bietet neuartige Einblicke in das Verhalten von Fledermäusen und trägt im Naturschutz bzw. in der Landschaftsplanung dazu bei, Schlüsselstellen und Konflikte zielgenauer zu erkennen, Schutzmassnahmen effektiver zu gestalten und deren Wirksamkeit zu überprüfen.
Text von Fabio Bontadina