Rahel Fierz / wildenachbarn.ch
Igelmutter versucht mit ihrem Jungen die Treppe zu bewältigen.
Da Igel weder springen noch klettern können, werden Stufen ab 20 cm sowie Zäune und Mauern zum unüberwindbaren Hindernis. Dies zwingt die Igel dazu, Umwege zu machen. Dadurch müssen sie sich länger in gefährlichen Bereichen wie Strassen aufhalten und haben insgesamt weniger Zeit für die Suche nach Nahrung oder Partnerinnen. In verschiedenen Regionen der Schweiz haben wir aus diesen Gründen Durchgänge für Igel und weitere kleine Wildtiere geschaffen.
Projekt “Freie Bahn für Igel und Co.»
Mit dem diesjährigen Projekt wollen wir den kleinen Fussgängern helfen, in dem wir ihnen mit Durchgängen den Zugang zu Grünflächen erleichtern. Daher haben wir in den Projektregionen Baselland und Baselstadt, Thurgau, Zimmerberg und der Stadt Zürich unter dem Motto «Mut zur Lücke» Freiwillige gesucht, die uns dabei helfen, solche Durchgänge zu schaffen. In verschiedenen Informationsveranstaltungen wie auch Exkursionen konnten wir die Situation der Igel schildern und Lösungsmöglichkeiten präsentieren. Die Freiwilligen konnten kostenlos Igel-Plaketten für ihre Durchgänge bestellen und die neuen Durchgänge mit Kamerafallen überwachen. Zusätzlich haben die zuständigen Prakt:innen selbst Abklärungen getroffen, um Grünräume für Igel zu erschliessen. So entstanden zum Beispiel Durchgänge in Familiengärten in Riehen BL, in der Seebadi in Romanshorn TG oder bei der Josefwiese in Zürich.
Ende August endet das Projekt und die Auswertung der gesammelten Daten startet. Aber Durchgänge in allen möglichen Formen können auch nach dem Projekt entstehen und auf unserer Meldeplattform gemeldet werden. Die Igel werden sich freuen.
Fehlende Vernetzung
Igel helfen ein Problem aufzuzeigen, welchem viele Wildtiere, wie zum Beispiel auch Amphibien, konfrontiert sind: Die fehlende Vernetzung. Eine gute Vernetzung bedeutet, dass sich Wildtiere möglichst gut von einem Lebensraum in einen andern bewegen können. Welche Vernetzung es braucht, unterscheidet sich je nach Tierart und deren Fortbewegungsart. So brauchen Eichhörnchen Baumkronen, welche nicht mehr als zwei Meter auseinander sind. Oder Wildbienen benötigen Wildblumeninseln mindestens alle 200 Meter. Für Igel sind Lebensräume verbunden, wenn sie nicht durch Mauern oder Zäune abgegrenzt sind. Auch Treppen können zum unüberwindbaren Hindernis werden. Ein ausgewachsener Igel kann Stufen von bis zu 20 cm Höhe überwinden, für Jungtiere kann dies schon zu hoch sein. Diese menschengemachten Abgrenzungen zwingen die Igel, deutlich weitere Strecken zu gehen, um genügend Nahrung wie Insekten und andere Wirbellose zu finden. Durch diese Umwege sind sie länger gefährlichen Stellen wie Strassen ausgesetzt.
Strassen, Achtung Gefahr
Strassen stellen für Igel, aber auch für alle weiteren Wildtiere eine Gefahr dar. Genaue Zahlen, wie viele Igel dem Strassenverkehr jährlich zum Opfer fallen, gibt es bisher nicht. Daten von Igeln, welche mit GPS-Sendern ausgestatten wurden, zeigen, dass die Igel sich der Gefahr der Strasse bewusst zu sein scheinen und in Strassennähe vorsichtig unterwegs sind. Doch häufig wird ihnen die Geschwindigkeit der Fahrzeuge zum Verhängnis. Auf Strassen, welche ein reduziertes Tempo aufweisen, können Igel die Strassenseite sicherer wechseln.
Martin Zollinger / swild.ch
Igeldurchgang in Riehen bei den Familiengärten in einem Lattenzaun.
Martin Zollinger / swild.ch
Durchgang im Zaun der Seebadi in Romanshorn.
Martin Zollinger / swild.ch
Durchgang im Lattenzaun bei der Josefwiese.
Text von Martin Zollinger